Donnerstag, 17. Juli 2014

Totale Kontrolle der Bevölkerung: Realität? Dystopie? Verschwörungstheorie?


Der Hintergrund ist ein wenig ernster, als der Tweet es nahe legt. Gleichzeitig läuft man bei der Erörterung solcher Themen immer Gefahr, sich in ungerechtfertigte und viel zu negative Dystopie-Szenarien zu stürzen. Oder Verschwörungstheoretikern neue Nahrung zu liefern. 

Wie real ist also die Gefahr der Überwachung? Wie sehr muss eine einzelne Person einen Eingriff ins Privatleben fürchten?

Fakt ist: die gegenwärtige Anstrengungen von Nachrichtendiensten, in diesem Fall des britischen GCHQ, richten sich offensichtlich nicht mehr nur auf die Abwehr von Spionage und die Verhinderung von Terrorismus. Sondern sie haben die Kontrolle und Manipulation der Öffentlichkeit, also der eigenen Bevölkerung und der Bürger anderer Staaten, zum Ziel.

Nach den neuesten Enthüllungen scheinen die zur Verfügung stehenden Werkzeuge laut The Intercept schon recht ausdifferenziert zu sein:
- Veränderung/Beeinflussung von Online-Umfragen (Codename: UNDERPASS)

- Unterstützung von Online-Kampagnen mit Massenmailings (BADGER) und Massen-SMS (WARPARTH)

- Störung von Video-Portalen mit "extremistischen" Inhalten (SILVERLORD)

- Komplettüberwachung von Skype (MINIATURE HERO)

- Zugang zu privaten Photos von Zielen auf Facebook (SPRING BISHOP)

- Tools, um Zugang zu Accounts auf Rechnern komplett zu verhindern (ANGRY PIRATE)


- Überlastung von Webseiten (GATEWAY) und Manipulation von Nutzerzahlen (SLIPSTREAM) 

- "Verstärkung" von Botschaften auf Video- oder Multimediaportalen (GESTATOR)

- Angriff auf Webserver, um diese unerreichbar zu machen (PREDATORS FACE/ROLLING THUNDER)

- Überwachung von Ebay (ELATE)

- Kapern von Email-Adressen und Übernahme einer Identität, d.h. beispielsweise Versenden von Emails mit der gekaperten Identität (CHANGELING)

- Manipulation von Telefonaten, wie Umleitung, Zwischenschaltung u.ä. (IMPERIAL BARGE)
Dies ist zumindest die Liste, die The Intercept auf Basis von Snowden-Dokumenten veröffentlicht hat. Alle aufgeführten Programme sind bereits einsatzbereit, oder kurz vor der Fertigstellung. Passend dazu auch die Aussage des ehemaligen hochrangigen NSA-Mitarbeiters William Binney: "Das Ziel der NSA ist die totale Kontrolle der Bevölkerung."

Wer sich von staatlicher Seite nicht bedroht fühlt, muss zumindest anerkennen, dass solche oder ähnliche Werkzeuge auch anderen Akteuren zur Verfügung stehen. Der bekannte und anerkannte Hacker und Sicherheitsexperte Felix Lindner sagte in diesem Zusammenhang: "Alles was man braucht, sind drei Hacker mit fragwürdigen moralischen Vorstellungen und ein bisschen Geld."

Die ARD sendete in den vergangenen zwei Wochen zwei Dokumentationen zum Thema. In "Zugriff! Wenn das Netz zum Gegner wird" wird zwar auf recht plakative, aber doch realitätsnahe Weise, das Leben des Journalisten Peter Onneken komplett auf den Kopf gestellt. In der Reportage "Im Visier der Hacker - Wie gefährlich wird das Netz?" wird der Tod des US-Journalisten Michael Hastings untersucht und der Frage nachgegangen, ob sein Wagen, mit dem er tödlich verunglückte, Opfer eines Hackerangriffs wurde.  

2 Kommentare:

  1. "Im Visier der Hacker - Wie gefährlich wird das Netz?"

    Nach ausstrahlung der Sendung habe ich in Facebook auf die Sendung mit einem Link hingewiesen und gemeint es müsste nicht heisen wie gefährlich ist das Netz, sondern wie gefährlich sind Regieungen?

    Hab mir hoffentlich keinen Ärger mit NSA,BND und Co eingehandelt aber das ist mir wurscht.

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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