Samstag, 14. Oktober 2017

Trump vs. Realität - Heute: Pakistan

Trump ist eben Trump ist eben Trump. Nach 266 Tagen, 17 Stunden und 1 Minute im Amt glaubt man sich daran gewöhnt zu haben. Aber oftmals gehen die eigentlichen Fragen hinter den "Entscheidungen" (bzw. die Auswirkungen, die sich oft erst zeigen, nachdem sich der Staub etwas gelegt hat) komplett unter, weil bereits die nächste Runde Trump vs. Reality wartet (Quote normalerweise 1000 vs. 1,001).

So auch bei Trumps Afghanistan-Strategie von Ende August, die Konsequenzen (trotz aller schwammigen Formulierungen) für die AfPak-Region, also auch Pakistan, trifft. Klar ist, dass Pakistan und vor allem Pakistans Geheimdienste eine unrühmliche Rolle in diesem Konflikt spielen und gespielt haben. Dies wurde benannt, in der gewohnt trampeligen Trump-Rhetorik. Doch das Land insgesamt nicht als politischen Verbündeten zu betrachten bzw. nicht die Kräfte zu identifizieren, die an einem Fortschritt in der Region interessiert sind, ist angesichts der Situation vor Ort fahrlässig. Eine Abwendung hätte Folgen.


Da kann man ja dann doch ein bisschen Diplomatie betreiben, wenn einem dies die Berater ungefähr 100-mal am Tag versuchen einzutrichtern. Per Twitter (siehe Bild). Herzerwärmend. Nur ist die Meinung in der pakistanischen Regierung derzeit Folgende: "Auf der einen Seite demütigt man uns und schätzt unsere Opfer im Kampf gegen den Terrorismus gering und gleichzeitig erwartet man, dass wir US-Delegationen unterhalten, wann immer diese das wünschen", machte eine pakistanische Quelle deutlich. Und:

"Das funktioniert nicht mehr."

Neben allen offiziellen Verlautbarungen gibt es neue "Rules of Engagement" im Verhältnis der USA und Pakistans. Das bedeutet, dass dann eben nur der Verteidigungsminister den Verteidigungsminister trifft, und die Staatssekretärin den Staatssekretär. Bisher erhielten VertreterInnen der US-Administration nahezu ungehinderten Zutritt zu pakistanischen Offiziellen und brachten MitarbeiterInnen des Pentagons oder Außenministeriums Minister auf Linie. Das ist nun erstmal vorbei. Trotz der "much better relationsip". Immerhin muss die ja erst entwickelt werden, ein Hoffnungsschimmer für eine Zurkenntnisnahme der Realität. Denn in der können beide Akteure nicht ohne einander.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Neue Bundeswehr-Webserie: Mal(i) sehen

Nach "Die Rekruten" hat in der kommenden Woche die neue Bundeswehr-Webserie "Mali" Premiere. "Bist Du bereit sie zu begleiten?" fragt der nicht sehr inhaltsschwere Trailer, der die "eingeschworene Gemeinschaft" hervorhebt und unterstreicht, dass sich die Soldatinnen und Soldaten gut vorbereitet hätten, "auf alles, was sie da draußen erwartet."



Nun könnte man an dieser Stelle die Frage aufwerfen, ob das auch für den Zustand der Tiger-Hubschrauber gilt. Oder Beispiele heranziehen, wie ähnlich der Mali-Einsatz in mancher Hinsicht dem in Afghanistan ist, wenn es um die Bewegungsfreiheit und die tatsächliche Kontrolle von Gebieten geht. Auch die Tatsache, dass eine perfekte Vorbereitung davon abhängig ist, ob und wie gut die Einsatzziele definiert sind (Spoiler: Der schwierigen Lage vor Ort angemessen schwammig, z.B. "Des Weiteren sollen die Sicherheit, Stabilisierung und der Schutz der Bevölkerung gefördert werden."), lässt einen die Augenbraue heben.

Mit Plakaten wirbt die Bundeswehr für ihre neue Webserie. Hier zum Beispiel im Berliner Hauptbahnhof. Credits: vergessene-kriege.blogspot.com

Und am Ende mag man sich völlig zu Recht darüber streiten, ob es nicht besser wäre, die Arbeit der Bundeswehr in einem nachrichtlichen und informationsdominierten Kontext zu diskutieren, anstatt einen Unterhaltungsfaktor zu kreieren und (sicherheitspolitische) Probleme, Hürden und Herausforderungen eines solchen Einsatzes hinter dramatischer Musik und kameradschaftlicher Wärme zu verbergen. Denn Kameradschaft mag gut und schön sein, doch Mandat, Unterstützung und Ausrüstung sind am Ende des Tages für die Soldatinnen und Soldaten die noch entscheidenderen Faktoren. Außerdem kann man natürlich das finanzielle Argument anführen, schon die Produktion von "Die Rekruten" kostete 1,7 Millionen Euro, die begleitende Kampagne nochmal 6,5 Millionen Euro.

Auch auf Instagram wirbt die Bundeswehr. Zielgruppengerecht mit MessengerBot für Telegram. Quelle: Screenshot Instagram

Gleichzeitig muss man sich jedoch die Frage stellen, ob und wann dieser Einsatz bzw. die Situation Malis schon mal so prominent "beworben" bzw. thematisiert wurde. Wenn groß das Wort "Mali" auf deutschen Bahnhöfen hängt, machen sich vielleicht ein paar Menschen mehr Gedanken darüber, was dort eigentlich los ist. Inwiefern das die Menschen in Deutschland betrifft. Dabei geht es ja nicht nur um die Frage der Terrorismusbekämpfung. Sondern auch um die Erkenntnis, dass die Welt außerhalb Deutschlands oftmals fragil ist, Menschen in dauerhafter Unsicherheit leben und Konflikte ihre Versorgung, ihren Zugang zu Bildung, alle ihre Perspektiven bestimmen. Dies ist auch im Zuge der Debatte um Flucht und Migration wichtig zumindest anzuerkennen.

Man könnte also sagen, dass alles was dabei hilft die Bevölkerung für die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu sensibilisieren und eine Debatte über die Mission anzustoßen, wünschenswert ist. Denn gegenwärtig werden diese kaum zur Kenntnis genommen, egal ob Afghanistan, Sudan oder eben Mali.

Zu hoffen bleibt aber, dass eine solche Debatte nicht bei der Machart und den oben aufgeworfenen Fragen der angemessenen Darstellung stehen bleibt, sondern sich mit den Ursachen und Zielen von Auslandseinsätzen beschäftigt. Das hängt aber natürlich auch davon ab, wie viel Kontroverse, Zweifel und Aufrichtigkeit die Macher von "Mali" zulassen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Syrische Nationalelf: Die Illusion von Staatlichkeit

Die syrische Nationalelf hat in den vergangenen vier Wochen Schlagzeilen gemacht. Anlass war ein ein 2:2 Unentscheiden gegen den Iran, das die Tür zur WM-Qualifikation öffnete. Heute um 14:30 Uhr gegen Australien könnte das Team einen weiteren Schritt hin zu einer Teilnahme an der Weltmeisteraft 2018 (die zynischerweise in Russland stattfinden wird) machen. Für das Regime in Syrien wäre das ein großer Triumph und würde von den Verbrechen und Zerstörungen im Land ablenken.

Carsten Kühntopp vom ARD-Studio Kairo beschäftigt sich mit den Hintergründen und schreibt: "Doch viele syrische Fans, die der Opposition nahestehen, tun sich schwer mit dem Feiern. Denn Assad nutzt die Nationalelf für Propaganda, aus dem "Team Syrien" ist ein "Team Assad" geworden: Auch vor der Presse im Ausland singen Verbandsfunktionäre ungefragt Hohelieder auf den Diktator, Spieler treten in T-Shirts mit Assads Konterfei auf, müssen bei Solidaritätsdemos mitmarschieren."

Nun werfen zahlreiche Kommentatoren des Artikels bei tagesschau.de dem Autoren vor, Propaganda zu betreiben. Es sei auffällig, wie negativ die Berichte über das syrische Regime seien. Eigentlich sei es ja doch nur billiges GEZ-Russland-Bashing. Natürlich, wenn jemand schreibt "Und die Deutsche Mannschaft spielt im Auftrag der Diktatorin Merkel. Ich hoffe die Redaktion merkt etwas", kann man sich einfach an den Kopf fassen und alles Folgende gleich wieder vergessen. Vor allem weil diese Einwände rein ideologisch geprägt und mit der Propaganda-Keule versehen sind. 

Doch mittlerweile ist der Krieg in Syrien so selbstverständlich geworden, dass er kaum mehr hinterfragt oder die Ursachen oder Optionen für eine Waffenruhe thematisiert werden. Währenddessen schaffen die Akteure, die sich militärisch engagieren, Fakten. 

Natürlich ist heute klar, dass alle Hoffnung, die man vor Jahren (auch die EU) in den jungen Bashar al-Assad setzte, verfehlt war. Und auch damals schon ignorierte man Menschenrechtsverletzungen und Repression. Doch trotz aller Klarheit über die Verbrechen des Assad-Regimes: Ob es wirklich eine gute Strategie (in Sachen Konfliktlösung und Opferminimierung) war, diverse und heterogene bewaffnete Gruppen zu unterstützen, darf man bezweifeln. Auch die Tatsache, dass es eben doch noch zahlreiche Assad-Anhänger (sei es aus Angst vor Rache der sunnitischen Mehrheit, oder aus Überzeugung) gibt, sollte man nicht beiseite schieben. 

Nichts ist in Syrien klar, oder wie es der Journalist Daniel Gerlach ausdrückte: "Es gibt also nicht nur eine Konfusion der Mächte, sondern auch eine Konfusion der Weltbilder." Nun hat man es mit einem Stellvertreterkonflikt zu tun, der regionale und geostrategische Interessen mit der ursprünglichen Revolte und dem Kampf terroristischer Gruppen "vermengt".

Die Entscheidung mit Assad zu verhandeln, wäre eine Bankrotterklärung der internationalen Gemeinschaft. Gleichzeitig sind schmutzige und moralisch nicht zu rechtfertigende Entscheidungen wie selbstverständlich Teil der internationalen Politik. Das sollte man nicht hinnehmen und es gibt keinen Grund für ein "Weiter so!" Doch im Falle Syriens wird es eine saubere Lösung nicht mehr geben. Nur noch eine, die möglichst wenig Menschen das Leben kostet. Über die Zukunft des Regimes kann man sich dann immer noch Gedanken machen. Denn eines sollte man nicht vergessen - auch wenn die Nationalelf etwas anderes suggeriert: Syrien als Staat gibt es nicht mehr.

Mittwoch, 27. September 2017

Der Demokratie eine Darmspiegelung verpassen - AfD-WählerInnen erzählen

Die ZEIT fragte: "Warum haben Sie AfD gewählt?" Das ist natürlich löblich, wenn auch etwas spät (naheliegende Alternative für 2021: vorher fragen). An dieser Stelle wurde bereits die Frage thematisiert, ob eben nicht diese große Aufmerksamkeit, die der Partei und nun den Wählerinnen und Wählern zukommt, auch zum Erfolg der Partei führte. Da ist sicherlich etwas dran. Doch im Rahmen der Nachwehen der Bundestagswahl und der Frage: "Was wird die AfD nun machen?" ist es schon interessant, was denn die Wählerinnen und Wähler eigentlich erwarten. Und die Sitze sind nun eben auch vergeben, da kommt es auf die eine oder andere Zeile auch nicht mehr an.

Schaut man sich die Antworten genauer an, dann sind sie oft abstrus, aber teilweise auch beängstigend und traurig. Und der Beweis dafür, dass die meisten Menschen keine Kommentare im Internet hinterlassen. Zumindest stirbt die Hoffnung darauf zuletzt. Auf jeden Fall später als als die meisten Abgeordneten der AfD. Denn die sind zu 88 (hihi) Prozent Männer, die ja bekanntlich nicht so alt werden wie Frauen. Zum Beispiel Lothar Maier mit 73 Jahren, Paul Viktor Podolay mit 71 Jahren, Albrecht Glaser mit 75 Jahren, Wilhelm von Gottberg mit 77 Jahren und nicht zu vergessen, Alexander Gauland mit 76 Jahren.

Im Folgenden nun einige ausgewählte Kommentare mit Erläuterungen:


Eigentlich löblich, wenn man von den eigenen Interessen abstrahiert. Warum aus dem Umgang mit dem Dieselskandal aber die Wahl der AfD wird? Das bleibt das Geheimnis von n00track. Genauso wie der Fehlschluss hinsichtlich der persönlichen Umstände von Alice Weidel. Einzelfälle und persönliche Erfahrungen ("Ich habe einen Nachbar, der..." oder "Ich habe nichts gegen XY, denn ich habe auch einen Freund, der...") taugen einfach nicht zur Erklärung allgemeiner Phänomene.

Deutlicher kann man nicht machen, dass man ein Parteiprogramm nicht gelesen hat. Haben natürlich 95 Prozent der anderen Wählerinnen und Wähler auch nicht. Im Bereich der recht sensiblen "Rechtsradikalität" könnte ein Blick aber lohnen, anstatt sich da auf andere zu verlassen...

Weder Asylrecht abschaffen, noch DM wieder einführen - ist ja schon mal lobenswert. Doch wo kommt diese Wahrnehmung des Linkrucks her? Vom Mindestlohn, von dem man nicht leben kann? Von der Regulierung des Finanzmarktes und des Bankensektors, die nur in Nuancen stattgefunden hat? Von der massiven Reduzierung der Flüchtlingszahlen durch Asylrechtsverschärfung innerhalb eines Jahres, obwohl die Zahlen weltweit weiter steigen? Oder doch am Schluss von der "Ehe für Alle?" Letztendlich ist es dann nach Schulzexpress mal wieder die Islamisierung, mit einem (falschen) Einzelbeispiel belegt. Da wählt man halt die "Schmuddelpartei". Empfehlung: Mal reale Politikergebnisse anschauen und mit den eigenen Erwartungen vergleichen. Da bekäme #dankemerkel für den User vermutlich eine ganz andere Bedeutung (da zufrieden). 

Plain and simple. Und irgendwie halt auch am Thema vorbei. Beziehungsweise: Ist ja ok, das nicht zu wollen. Aber ist eben auch nicht der Fall (und auch nicht auf dem Weg dahin. Auch nicht 2050.) 

Oha, keine Dumpfbacke. Sondern Broder und Tichy-Fan. Nun mag es böse Zungen geben, die bei dieser Argumentation nicht mitgehen. Aber geschenkt. Interesse für Religion ist auf jeden Fall vorhanden. Ob man aber islamwissenschaftliche Diskurse an bzw. in die Wahlurne tragen sollte? Und Ayn Rand? Die sagte mal: "This god, this one word: I." Selbstzentriert, man mag es gar narzistisch nennen, und die Verherrlichung des Individualismus als Lebensphilosophie? Mmh, das könnte wieder zur Wahlentscheidung passen. Wobei, da bleibt das Völkische eben auch auf der Strecke... Außenpolitische Gründe gibt es ja aber auch noch. Keine afghanischen Zustände in Deutschland - das würden sicherlich viele Menschen (87 Prozent?) unterschreiben. 



Bemerkenswert ist die durchgehende Medienkritik und die Formel: AfD-Bashing + Toleranz-Totalitarismus = Kreuz bei der AfD, um es der Lügenpresse mal so richtig zu zeigen.  Man kann nur staunen, angesichts dieser Herleitung. Denn eigentlich bedeutet ja Toleranz im ersten Schritt etwas abzulehnen. Etwas ablehnen zu dürfen. Um es dann im nächsten Schritt zu tolerieren. Was daran totalitär sein soll, können wohl nur wenige erklären. Klar, die "Juden der neuen Zeit" sehen wir hier (ob der Post noch online ist?), da muss noch der Appell hin: "Seht ihr denn gar nicht, was wirklich vor sich geht?" Ähm doch. Um das zu sehen, lohnt manchmal auch ein Klick auf Arte beispielsweise. Aber nein, das ist ja Propaganda und Kriegshetzerei. Statt Abschottung der EU wäre auch Abschaffung der GEZ als Hauptinhalt für den Wahlkampf ausreichend gewesen. Hätte vermutlich noch mehr Stimmen gebracht.

Kritik an der Energiewende? Ok, zurückdrehen wird zugegeben parteitechnisch schwierig. Abschwächen und Anpassen geht aber auch mit anderen Parteien. Klar, als Kernkraftbefürworter steht man ohnehin eher alleine da, da lohnt sich der Blick zur AfD. Offenbar haben weiße Männer zwischen 30 und 60 die größte Kernkraftaffinität. Muss man nicht verteufeln, wirklich progressiv ist es aber eben auch nicht. Eine Liste, die sich beliebig fortsetzen lässt, ist natürlich immer praktisch.

Aus Sicht von Hessin war die Diskussion um den "Nafri" also absurd. Doch worum ging es da nochmal? Darum, dass die Abkürzung für "Nordafrikanischer Intensivtäter“ steht und polizeiintern zum Beispiel im Funkverkehr genutzt wird. Menschen, die aus Nordafrika kommen als "Nafri" zu bezeichnen, setzt diese also pauschal mit Kriminellen gleich. Wer jetzt noch eine nähere Erläuterung braucht, warum das problematisch ist? Beziehungsweise, warum es übermäßige politische Korrektheit sein soll, eine Gruppe von Menschen nicht in Kollektivhaftung zu nehmen? Die Antwort darauf sollte eigentlich nicht so schwierig sein. Im Zusammenhang mit dem Wort "Kollektiv..." hat da ja auch die AfD eine ähnliche Position. Lehnt sie ab. Dann kommen Dinge, die man diskutieren kann. Aber eben nur, wenn man jemanden gegenübersteht, der oder die nicht von Anfang an die pc-Keule schwingt. Und dass Männer, die meinen Frauen seien reine Sexobjekte, nicht tolerierbar sind? Völlig richtig. Doch was hat das (ausschließlich) mit Integration zu tun?

Deutlicher kann man nicht werden: "Der Demokratie eine Darmspiegelung verpassen" - Positiv ist da sicher das Vertrauen in die Demokratie zu sehen. Fraglich aber, ob wirklich nur die Spiegelung gemeint ist? Bei vielen anderen Wählerinnen und Wählern vermutlich eher die Darmspülung, auch Einlauf oder Klistier genannt. Die kommt oft vor der Spiegelung. Der Effekt der "inneren Reinigung" ist dabei aber nur ein Gerücht. 

Ein Dank an die "Systempresse". Auch mal nett. Von jemandem, den die Einwanderungspolitik umtreibt. Der Klassiker sozusagen. "Wild West"-Einwanderung kann natürlich nicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger sein, zu dreckig, zu laut und zu wenig Stellplätze für Pferde. Witzig ist, dass hier Flucht und Migration "wild" vermischt wird. Eigentlich ein oft genannter Kritikpunkt der AfD-AnhängerInnen. Aber im Herzen ist Daniela_Mo ja auch eine Grüne. Hoffentlich für sie aus dem Wahlkreis von Boris Palmer.

Tim11 offenbar auch. Und auch ein Freund der Genfer Flüchtlingskonvention. Nur dann fängt man an zu lesen und fragt sich: "Ist ja alles gut und schön, aber DER Krieg (Syrien, Afghanistan zum Beispiel) ist ja eben noch nicht zu Ende." Und je nachdem dauert der Konflikt eben länger als man glaubt. Warum dann nicht beide Seiten von der unglücklichen Fluchtsituation profitieren lassen. Also Integration, Arbeit, usw. ermöglichen? Dass Strafffällige bereits regelmäßig abgeschoben werden? Egal, schließlich ist das Pinkelwohnzimmerbild so schön.

Man liest und liest und liest und denkt: "Ok, klare Kante, harte Formulierung, aber falsche Partei Alf." Ob eine Partei "heftig" sein soll, muss man mit einem Fragezeichen versehen, dass ein Wechsel Links der Mitte möglich ist, nicht. Aber lieber eine Partei wählen, mit der niemand koalieren will, wenn man einen Wechsel will? Aber klar, die AfD stand eben unter Feuer. Oder wie Alexander Gauland es mal formulierte: "Wenn die Granaten einschlagen, steht man zusammen." Was eben auch wieder demonstriert, dass man der AfD in der Sache möglichst nicht blind folgen sollte. Zur eigenen Sicherheit.


Kein Merkel-Fan, enttäuscht von der SPD, entfremdet von den Linken. Ok, etwas anders formuliert. Hart in der Sache eben, wie man so schön sagt. Warum die Linke ihren Klassenstandpunkt verloren haben soll? Vielleicht liegt die Krux in der Annahme, dass alle Menschen gleich sind. Das Medienversagen, tja, mag sein. Unglückliches Agieren auf jeden Fall. Aber das liegt vielleicht eher im Abfeiern jeden Satzes von AfD-Funktionären, denn im Verschweigen und Propaganda verbreiten. Und die Kritik ist ja auch schon formuliert. Aber wozu damit aufhalten, "Mittäterschaft" klingt halt besser. Das dritte Argument ist jedenfalls unschlagbar: "Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll." Muskote-Zigarettenpapier ist also auch an der Wahlurne unverzichtbarer Begleiter.

GEZ? Weg! Ansonsten eben ein demokratischer Neuanfang (dann ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk?) mit rechten Spinnern. Auch eine Sichtweise.



Immer gut: Mal etwas klar stellen, was eigentlich niemand in Frage stellt, wenn man nicht Anlass zum Zweifel gibt. Aber ok, ein Demokrat ist alex_hh. Da denkt man, man kriegt eine CDU-Kritik, doch drei Worte später ist man dann doch wieder bei den Asylanten. Und Rechtsextrem ist eben in Ordnung, die dürfen dann auch ins Parlament, wenn die Linksextremen in einem Haus sitzen dürfen (das dann irgendwann geräumt wird) und am 1. Mai (hauptsächlich) Randale (die Konsequenzen haben) veranstaltet werden. Da muss man eben wieder staunen und fast den Hut ziehen, wie leicht es gelingt Dinge zum Vergleich heranzuziehen, nur um dann völlig unterschiedliche Phänomene zu betrachten.


Was bleibt? Viel Kopfschütteln, auch wenn die Auswahl natürlich willkürlich und nicht repräsentativ war (mittlerweile sind mehr als 500 Kommentare gepostet worden) und die meisten Menschen Besseres zu tun haben als Onlinekommentarspalten aktiv zu bespielen. 

Gestern erschien an dieser Stelle ein Beitrag, der sich weniger Aufregung und ein wenig mehr Zurückhaltung wünscht. Die Kommentierung der Kommentare ist daher mit einem Augenzwinkern zu sehen und von der Überzeugung geprägt: Menschen sind keine Wölfe, keine Rassisten (wenn sie sich selbst reflektieren) und getrieben von eigenen Ängsten, die nichts entschuldigen, aber erklären. Daher zum Schluss vielleicht noch ein Beitrag, der ein wenig bestärkender ist und dennoch keinen Glückskekscharakter besitzt. Veröffentlicht hat ihn Nasser Ahmed, SPD-Stadrat in Nürnberg


Dienstag, 26. September 2017

Vietnam-Dokuserie: "Über Sieger und Verlierer diskutiert nur, wer nie gekämpft hat."

Mehr als 40 Jahre ist es her, dass der Vietnamkrieg zu Ende ging (1955-1975). Die neunteilige Minidoku-Serie erzählt die Geschichte dieses Krieges "so umfassend und detailliert wie nie zuvor."

Quelle: Screenshot Rotten Tomatoes

Sie lässt auch unmittelbar Betroffene, KämpferInnen und Zivilisten, zu Wort kommen, neben den meisten relevanten Politikern und Mitgliedern der Administration. Die Serie macht in der Summe deutlich, wie schmutzig und wie sinnlos Kriege sind, nicht nur, vor allem wenn man nach den wahren Beweggründen fragt. Denn die bzw. deren Sinnhaftigkeit steht schon 1965 in Frage. Zehn Jahre vor dem Ende. 

Ein ehemaliger vietnamesischer Kämpfer antwortet auf die Frage, wer denn eigentlich gewonnen habe: "Über Sieger und Verlierer diskutiert nur, wer nie gekämpft hat." 


Die erste Folge zeigt, wie sich in einem langen und brutalen Krieg die Unabhängigkeitskämpfer der Viet Minh unter der Führung von Ho Chi Minh von der fast 100-jährigen Kolonialherrschaft Frankreichs befreien. 

Noch bis zum 19.Oktober 2017.

Verbale Abrüstung tut Not

Jaaaaa, es stimmt. Es gibt zu viel mediale Aufmerksamkeit für die AfD. Schlicht und einfach gemessen am Wahlergebnis. Aber nun scheint das Kind ja erstmal in den Brunnen gefallen zu sein. Und nun geht es erst richtig los. Siehe SPIEGEL-Cover. So was lässt man sich dort natürlich nicht entgehen. Denn vielleicht nennt man es ja in 50 Jahren "Ikonisch" und druckt es in Schulbüchern ab. Das hilft nicht unbedingt. 


Auch verbal abzurüsten tut Not. Einfach, in dem nicht jeder und jede politisches Sendungsbewusstsein entwickelt - ohne sich mit irgendwelchen Inhalten oder anderen Politikfeldern wie Flucht/Migration auseinanderzusetzen. Oder indem man versucht zu einer Diskursqualität beizutragen, die eine inhaltliche Debatte wieder ermöglicht. Wie es nicht geht, zeigen Lucky Luke und seine Fans. Egal, aus welcher Richtung. Wobei das natürlich noch harmlos ist für FB. Oft nett gemeint, manchmal eher nicht, teilweise naiv, in einige Fällen leicht doof bis beschränkt. 

Es ist eben einfach geworden Meinungen in die Welt hinauszublasen (dieser Post ist ein Beweis dafür). Das begünstigt die, die am Lautesten schreien können (und die, die am Meisten für ihre Reichweite bezahlen können).






Aber egal ob Klimaschutz oder Big Data: Ja, es braucht bessere Politik, aber Nein, sie wird nicht ausreichen, wenn die Menschen nicht mitmachen. Hin und Her Fliegen, tägliches Einwegbechern, die eigenen Daten freiwillig aufsammeln lassen - wir tun zu viele Dinge, die uns am Ende schaden. Das gehört zum Menschsein dazu. Die Freiheit haben so zu handeln. Man sollte es jedoch nicht überstrapazieren. 

Dass dem so ist, liegt vor allem daran, dass wir in einem System leben, das diese Art von Mitmachen belohnt. Und Abweichung bestraft. In dem Nachhaltigkeit, Diversität und Gerechtigkeit keine Ziele sind, sondern begleitende Umstände, die sich im Nachhinein mit Minimalkonsens ins System "einpflegen" lassen. Obwohl doch genau diese Werte beispielhaft für das Interesse und das Bedürfnis aller Menschen stehen. Werte sind, die ein verbindendes Element darstellen.

Am Ende wird es immer Menschen geben, die solche Werte ablehnen. Doch wer würde auf den Satz: "Ich würde gerne in einer Welt leben, in der kommende Generationen eine Zukunft haben und in der alle (!) Menschen die Freiheit und Möglichkeit zur Teilhabe besitzen, um ihr persönliches Glück zu suchen" nicht einfach mit "Oh ja, das wäre schön!" antworten? Über den Weg dahin kann man sich dann streiten. Aber nicht denen glauben, die behaupten, diesen Wege gäbe es nicht.

Ach ja, es ging ja um die AfD und die große Aufmerksamkeit. Also vielleicht von allen Seiten künftig ein wenig mehr "Was will ich?" und nicht "Was will ich nicht?". Ein wenig mehr Selbstreflektion denn ständige (virtuelle) Selbstvergewisserung. Und ein wenig mehr Empathie statt Sendungsbewusstsein. 

Könnte schon reichen.